Kreuz- Reifhorn 2.466m

Jedes Mal wenn ich über das Kleine Deutsche Eck in Richtung Lofer fahre, zieht mich die Kulisse der Loferer Steinberge in ihren Bann. Die eigenständige Gebirgsgruppe ist ein Teil der Nördlichen Kalkalpen und befindet sich sowohl in Salzburg als auch in Tirol.
Meine einzige Sommerbesteigung, damals mit meinem Vater, liegt mittlerweile schon gut 35 Jahre zurück und das ist ein guter Grund wieder einmal hoch zu steigen. Da mein sich im Wiederaufbau befindender Körper die letzte Tour auf den Großen Priel sehr gut weggesteckt hat, gehe ich davon aus auch für die folgende Tour bereit zu sein.
In “meiner Wöd” gibt es noch sehr viele Ziele, welche eine enorme Anziehungskraft auf mich ausüben und in diesem Fall ist dies das Reifhorn, also der mittlere Spitz der Loferer.
Geplant habe ich, gemeinsam mit Gabi, bereits am späteren Samstagnachmittag zur Schmidt-Zabierow-Hütte aufzusteigen und dort zu nächtigen. Am darauf folgenden Sonntag wollen wir über die 2te Nasenroute „Schuh des Mannitou“ (4 / 110m) bis zum Normalweg direkt unter die Nase klettern. Am „Normalweg“ soll es dann hinauf zum Gipfel gehen.

Warum die Tour dann doch nicht gleich der Planung verlaufen ist und weswegen wir uns am Eiskogel dazu entschlossen haben kehrt zu machen, könnt ihr folgendem Bericht entnehmen.

 
 
15.9.2018 – Tag 1:
Im Gebäck mit einer guten Wettervorhersage für den morgigen Tag inkl. 2 Halbseilen machten wir uns am Samstag gegen 14:30 Uhr auf den Weg zur Schmidt-Zabierow-Hütte. Der Hüttenzustieg aus dem Loferer Hochtal ist mit 1.100Hm der kürzeste, weswegen wir bereit kurz nach 17 Uhr die Hütte erreicht haben.
Riesengroß war die Freude, als wir nach dem Abendessen anstatt dem angekündigten Notlagerplatz in der Gaststube schlussendlich doch ein 4-Bett Zimmer zugewiesen bekamen.

 

Parkplatz am Ende des Loferer Hochtales.

Im unteren Abschnitt waren wir noch guter Hoffnung, dass der Nebel mit uns an Höhenmeter gewinnt.

Im Oberen Tret tauchten wir in die hartnäckige Nebelsuppe ein, …

… aus welcher auf einmal die Hütte vor uns auftauchte.

 
 

16.9.2018 – Tag 2:
Kurz vor 7 Uhr ist Tagwache, denn den Sonnenaufgang möchte ich nicht versäumen. Nach einem ausgiebigen Frühstück haben wir uns noch bzgl. unserer gepl. Route mit der Hüttenwirtin abgesprochen. Mit auf den Weg nahm ich ihren Hinweis auf die schöne, nicht allzu schwere Möglichkeit der Überschreitung über den Nordost-Grat bis aufs Große Reifhorn.

 

Sonnenaufgang um 7 Uhr über dem Hochkalter.

Auf diesen Moment habe ich mich schon lange gefreut.

Der morgendliche Frühnebel bedeckt das gesamte Kleine Deutsche Eck.

Diese Routen liegen uns quasi zu Füßen.

Die ersten Meter gehts bergab in Richtung Ochsenberg.

Am tiefsten Punkt befindet sich die Seilbrücke.

Ca. 150 nach der Abzweigung “Normalweg Gr. Reifhorn” verlassen wir den Weg und gehen weglos hinauf zum Einstieg.

 

Beim Einstieg machen sich bereits 2 Seilschaften, eine zweier und eine dreier, bereit.
Der Fels der Nasenrouten ist griffig, meist kompakt und ausreichend mit Bohrhaken versehen.
Steinschlaggefahr für nachkletternde Seilschaften besteht, da nach dem letzten Standhaken hinauf zur Nase viel loses Gestein herum liegt.

 

Gabi in der 2ten Seillänge „Schuh des Mannitou“ (4).

Und hier gehts bereits weiter im Vorstieg.

Nach dem letzten großen Standring gehts nochmals ca. 10min weglos hinauf bis zum Normalweg bei der Nase.

Schöner Rastplatz, ein paar Meter unterhalb der Nase.

 
 

Sowohl die schnelle 2er, als auch die etwas langsamere 3er Seilschaft steigen weiter über den Nordostgrat auf.
Aufgrund der Empfehlung der Hüttenwirtin und den beiden “Vorsteigern” entschlossen wir uns ebenfalls die Überschreitung zu wagen. Als die 3er Seilschaft bereits kurz vor dem Eiskogel das Handtuch warf, verschwand die 2er Seilschaft leider schon am Gipfel des Kreuzreifhornes. Wir kletterten noch auf den Eiskogel bis zu der ersten Abseilstelle, wo wir uns der neuen Situation stellen mussten. Ohne der entsprechenden Topo mit Wegverlauf und eingetragener Absicherungen entschlossen wir uns es der 3er Seilschaft gleich zu tun. Nach mehrmaligem Abseilen gelangten wir wieder zum Normalweg bei der Nase.
Obwohl unser Zeitfenster und die Trinkreserven zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ganz so optimal waren, wollte Gabi den Gipfel wie geplant noch über den Normalweg besteigen.

 
 

Der Nordost Grat, hier der Einstieg.

Gehpassage nach der ersten Kletterpassage.

Sehr schöne Aussicht am Grat.

Und wieder stellt sich uns ein Hindernis in den Weg.

Der 3er Seilschaft ist die Absicherung nicht ausreichend. Sie macht hier kehrt.

Jetzt standen wir am Eiskogel 2.350m bei der Abseilstelle.
“STOP or GO” dieses Mal im Sommer.
Wir entschieden uns aufgrund bereits genannter Gründe für STOP und machten kehrt.
Der frontale, sich vor uns aufbauende Gipfelhang des Kreuzreifhorns und die zu treffende Entscheidung haben mich leider vergessen lassen an besagter Stelle ein Foto zu machen.

Schlussendlich seilten wir doch ab, jedoch retour.

Nach mehrmaligem Abseilen und Abklettern erreichten wir wieder die Nase.
Wir beschlossen uns den Gipfel nun wie eigentlich geplant über den Normalweg zu holen.

Hier noch rauf, dann sind wir im Weinschartl. Links ginge es weglos aufs Große Reifhorn und rechts, der Markierung folgend gelangt man auf das Kreuzreifhorn.

Am Weg zum Kreuzreifhorn stellt sich uns dieser Koloss in den Weg.

Über Umwege nun doch noch den Gipfel erreicht.

Grandiose Gipfelaussicht hinweg über die Große Wehrgrube (zum Vergrößern ins Bild klicken).

Gipfelpanorama mit vielen Bekannten (zum Vergrößern ins Bild klicken).

Die Schmidt-Zabierow-Hütte aus der Vogelperspektive.

Beim Abstieg zum Weinschartl immer im Blickfeld das Große und das Westl. Reifhorn.

Am Normalweg nur wenige Meter unterhalb der Nase.

Sandkiste für Riesen.

Über mächtige Felsbänder bahnt sich der Weg nach unten.

Vorbei bzw. über die letzten Hindernisse gehts ziemlich ausgepowert und durstig zurück zur Hütte.

Aufgrund der Überstunden waren unsere beiden Akkus schon mehr wie nur leer.

Rechtzeitig um noch bei Tageslicht beim Auto zu sein, stiegen wir gegen 16:15 Uhr weiter ab.

Völlig unspektakulär ist die bei der Winterbesteigung hier zu passierende Schlüsselstelle.

Was für ein schönes Gebirge, welch schöner Berg.

 
 

Mit Garmin 62s aufgezeichneter GPS Track.

Download

 

Nützliche Links zur Tour:

Reifhorn Überschreitung auf bergsteigen.com.
Reifhorn Überschreitung auf riesner.at.
Nasenrouten von der Schmidt-Zabierow-Hütte

 

TOURDATEN:


Start: Letzter Parkplatz im Loferer Hochtal 800m.ü.A.
Höchster Punkt: Kreuz- Reifhorn 2.466m.ü.A.
Dauer: s. Bericht
Höhenmeter: 1.700Hm
Exposition: West, Nord und Ost
Einkehrmöglichkeiten: Schmidt-Zabierow-Hütte.
Planungsgrundlage: Schmidt-Zabierow-Hütte
Teilnehmer: Gabi

 

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