Dolomiten-Rosengarten:
KST Laurenzi (D)
Ausgangspunkt: Rif. Antermoia:
Tag 3/3: Montag, 19. August
Vom Rif. Antermoia (2.497m) über die Molignons (2.820m) zur Tierser Alpl Hütte (2.440m). Abstieg nach St. Zyprian (1.073m). Mit dem Bus (Linie 185) zurück zum Parkplatz der Paolina Bahn (1.622m).
Buongiorno. Was für eine Nacht, mindestens 5 Extremschnarcher, 4 Blasenschwache und 6 Frühaufsteher.
Gleich nach dem Aufstehen gabs ein ausgiebiges Frühstück und ein rundum Update vom Hüttenchef Almo Giambisi. Die Ankunft des prognostizierten schlechten Wetters verzögert sich zu unseren Gunsten, so dass wir auch heute wieder volles Programm machen konnten. Der Laurenzi Klettersteig, über die Molignon Gipfel soll der schwierigste im gesamten Rosengarten sein. Aus diesem Grund habe ich neben dem KST Set, zusätzlich auch ein 10m langes Reepschnürl eingepackt – sicher ist sicher!
Trotz des Schlafdefizits waren wir nach dem Frühstück auch heute wieder die Ersten, welche sich auf den Weg machten. Wir passierten nochmals den ruhig daliegenden Antermoiasee (was für ein Spiegelbild!), nach welchem einzig und alleine ein größerer Stein mit einer roten Markierung darauf hinweist, hier nach Norden, die Schotterriese hoch zu steigen. Links neben der Schotterriese befindet sich eine, nur wenige Meter hohe Gratrippe, wo sich der markierte Weg befindet.
Bald darauf erreichten wir rechter Hand den Einstieg, welcher vom Schwierigkeitsgrad (D dann C), die größte Herausforderung darstellt. Nach der Einstiegswand gehts ohne Seilsicherung, auf den Inneren Molignon.
Um auch wirklich auf diesen Gipfel zu gelangen darf man, bei der, nach der Einstiegswand folgenden Querung, am Ende nicht Richtung der vor einem liegenden Scharte weiter gehen, sondern muss rechter Hand in die Felswände einsteigen (schlecht markiert). Am ersten der 3 Molignons Gipfel zogen bedrohliche Nebelschwaden auf und auch der vor einem liegende, zu bewältigende Molignonkamm war alles andere als einladend. Extrem schmal, unversichert und beidseitig sehr steil abfallende, hohe Felswände. Der Nebel war in diesem Fall dann gar nicht so schlecht. Man hatte nicht immer so weit nach unten gesehen und die bis nach oben durchklingenden Kuhglocken gaben einem irgendwie das Gefühl der Sicherheit. „Gleich da unten“ ist eine Alm.
Konzentriert und ohne zusätzliche Sicherung gingen wir Meter für Meter über den Molignonkamm, bis der Weg schlussendlich den Grat nach links (Westen) verließ. Nach einem ungesicherten Abstieg von etwa 100Hm gelangten wir zum Wandbuch. Ab hier kamen wir wieder in den Genuss eines Seils, welches uns durch eine steile, kaminartige Rinne bis zu einer kleinen Scharte brachte. Der nun unmittelbar, linker Hand, folgende, senkrechte Aufschwung (C/D) ist nach der Einstiegswand die zweite Schlüsselstelle. Obwohl, wenn man die Ausgesetztheit des Grates, welcher die technischen Schwierigkeiten des KST bei weitem übertrifft, miteinbezieht, dann waren „für mich“ die beiden D-Stellen nicht das entscheidende Kritierium für diesen Klettersteig.
Nachdem wir über dem senkrechten Aufschwung drüber waren, hatten wir auch schon so gut wie gewonnen. Der folgende Weg über den Mittleren, hinüber zum Äußeren Molignon ist an den entscheidenden Passagen bestens versichert und ist somit für jeden geübten Klettersteiggeher ein echter Leckerbissen.
Als wir am Äußeren Molignon angekommen sind offenbarte sich uns, bei dem obligatorischen Blick nach Hinten, der gesamte zurückgelegte Wegverlauf über den Molignonkamm.
Nach einer etwas längeren Pause machten wir wieder Meter Richtung Tierser Alpl, wo wir ursprünglicher Weise eigentlich noch einmal nächtigen wollten. Bei dem Gedanken, noch einmal in einem Lager schlafen zu müssen, bekam die Gabi einen mächtigen Adrenalinschub und meinte, dass sie heute noch ganz absteigen möchte.
Nach 4h Laurenzi und einer weiteren knappen Stunde Abstieg (A) zur Tierser Alpl kündigten wir bei dieser unseren Lagerplatz und tankten nochmals ordentlich auf, bevor wir nach St. Zyprian (Weißlahnbad) abgestiegen sind.
Am Weg nach unten stießen wir direkt am, im ersten Teil noch steilen, Wegrand auf ein paar Edelweiß, welche wir natürlich nicht gepflückt haben! Im Flachen, als sich die Fußsohlen bemerkbar machten kneipten wir ein wenig im Tschamin Bach. Vor lauter „gut“ haben wir beinahe die Zeit übersehen, so dass wir von der Tschaminschwaige bis zur Bushaltestelle in St. Zyprian laufen mussten. Auf der Hauptstraße angelangt fuhr sogleich unser 16 Uhr Bus vor, welcher uns direkt bis zum Auto bei der Paolinabahn brachte. „So was nenne ich eine Punktlandung, meinte ein an der Haltestelle wartender Mann.“ Und damit hatte er vollkommen recht.
Übersicht der gesamten 3 Tagestour.
Update vom Hüttenchef Almo Giambisi.
Morgenstund hat Gold im Mund.
Nach dem See gehts steil nach rechts zum Einstieg des Laurenzi KST.
Hinein ins KST Set und rauf in die linke Schotterriese.
Anfangs ein sehr mühsamer Aufstieg.
Gabi meistert die Schlüsselstelle(D und C).
Nach dem Quergang nicht Richtung Scharte, sondern steil nach rechts zum Inneren Molignon.
Bedrohliche Nebelschwaden am Inneren Molignon.
Ungesicherter Grat zum Mittleren Molignon.
Vom Wandbuch zur kaminartigen Rinne.
Der senkrechte C/D Aufschwung zum Mittleren Molignon.
Weiterer versicherter Wegverlauf zum Äußeren Molignon.
Seitliche Gratquerung. Rechts unten die Seiser Alm.
Nur noch über den Vorgipfel…
… und wir stehen vor unserem letzten Höhenziel dem Äußeren Molignon.
Auf dem Stein steht geschrieben: „Nur für Erfahrene oder mit Bergführer“.
Mein Laurenzi Kriterium, der großteils unversicherten Molignonkamm, liegt jetzt hinter mir.
Gabi und ich am Äußeren Molignon.
Der KST Verlauf vom Inneren zum Äußeren Molignon.
Abstieg zum Molignon Pass. Weiter unten bereits zu erkennen die Tierser Alpl.
Am Molignon Pass wird das KST Set gegen die Wanderstecken ausgetauscht
Von der Luxus-Almhütte Tierser Alpl verabschiedeten wir uns gleich nach dem Essen.
Am Via Alpina gehts anfangs entlang den Platten in Richtung Schlern.
Wir verlassen den Via Alpina uns steigen zwischen Hühnerstand und Gugglochegg steil Richtung Weißlahnbad ab.
Am Wegrand stehen zahlreiche Edelweiß.
Der Tschaminer Bach im gleichnamigen Tal zieht sich ordentlich.
Kneip-Erholungspause im Tschaminer Bach. Hinten die Grasleitenspitzen.
Von der Tschaminerschwaige sollte es nicht mehr weit bis zur Bushaltestelle sein – sollte!
Nach der Punktlandung bei der Bushaltestelle gings mit dem Bus zurück zur Paolinabahn
Sowohl der 17kg Rucksack auch als die Sonne haben Spuren hinterlassen
Wir bezogen in Eggen neuerlich Quartier und freuten uns, durch den schnellen sofortigen Abstieg, einen ganzen Urlaubstag gewonnen zu haben.
Am darauf folgenden Tag fuhren wir weiter nach Torbole am Gardasee, wo wir den gewonnen Tag so richtig genossen.
Die Tage darauf gingen wir in Nago klettern (Bericht folgt).
GPS Track vom dritten Tag: Laurenzi Klettersteig über Inneren, Mittleren und Äußeren Molignon.
verwendetet Literatur:
1.ALPINE KLETTERSTEIGE Ostalpen (Mark Zahel): Tour 50 (exakter Tourenverlauf)
2.KLETTERSTEIGFÜHRER Dolomiten-Südtirol-Gardasee (Axel Jentzsch-Rabl u.a): Einzeltouren (sehr gute Beschreibung und Skizzen)
Anmerkung:
Für Touren dieser Art ist eine entsprechende Bergerfahrung obligatorisch.
Ausweichrouten über Wanderwege sind stets vorhanden.
Gleichmäßige Tagesetappen von 6-7 Stunden.
Mit dabei war: Gabi